Interview mit Dr. Florian Reul

Managing Associate, Bankaufsichtsrecht, Frankfurt
Head of Fintech Germany

Reul


Dr. Florian Reul ist seit 2018 Head of Fintech Germany. Er ist spezialisiert auf Bankaufsichtsrecht, Fintechs, Blockchain und Kapitalmarktrecht, insbesondere auf strukturierte Finanzierung.
Im Interview verrät er u.a. wie er zu dem Thema "Fintech" kam und was den Bereich aus seiner Sicht so interessant macht. 

 


Seit 2018 sind Sie „Head of Fintech Germany“ in unserer Sozietät. Welche Aufgaben haben Sie in dieser Rolle inne?

Die Aufgaben in der Rolle des „Head of Fintech Germany“ lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: In nach innen gerichtete und in nach außen gerichtete Aufgaben. Die nach innen gerichteten Aktivitäten zielen darauf ab, Themen zu identifizieren, die für die Geschäftsentwicklung unserer Mandanten relevant sind und zu denen wir als Kanzlei unser Know-how weiter ausbauen und die Beratung fördern wollen. Zudem ist es wichtig, Kolleginnen und Kollegen zu finden, die sich für Fintech-Themen begeistern können, um gemeinsam mit ihnen Themen und Projekte voranzutreiben.
Nach außen bilde ich eine Art Sammelstelle für das Know-how rund um das Thema Fintech und stehe hier als zentraler Ansprechpartner für unsere (potenziellen) Mandanten zu Fintech-Themen zur Verfügung.

 

Wie kamen Sie zu dem Thema „Fintech“ und was macht den Bereich aus Ihrer Sicht so interessant?

Bereits vor dem Jurastudium und anschließend im Schwerpunktstudium hat mich die Schnittstelle aus Wirtschaft, Technik und Kultur sehr interessiert und so kam es, dass ich mein Wissen auf diesen Gebieten natürlich weiterentwickelt habe.
Bei Linklaters kam ich erstmals während meines Secondments im Londoner Büro mit dem Bereich Fintech in Berührung und seitdem hat er mich nicht mehr losgelassen.
Fintech ist für mich besonders interessant, da der Bereich noch sehr neu ist und vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bereithält. Wenn man neugierig ist, dann macht es sehr viel Spaß, sich den Kopf zu unterschiedlichen Fragenstellungen zu zerbrechen. Zusätzlich ist das Zusammenspiel von unterschiedlichen Fachgebieten wie z.B. Technik, Jura oder auch Businessmodellen sehr spannend und es macht großen Spaß, dieses „Neue“ mit unseren vorhandenen Fähigkeiten und Tools zusammenzubringen und verständlich zu machen.

 

Blockchain, Kryptowährung und Crypto-Assets sind Wörter, die immer wieder im Zusammenhang mit Fintech genannt werden. Aber was bedeutet oder umfasst der Begriff „Fintech“ eigentlich alles?

Diese drei Wörter sind tatsächlich nur ein Teilbereich des Fintech-Spektrums. Fintech bedeutet „Financial Technology“ und so verstehen wir das auch bei uns.
Wir wollen bei Transformationsprozessen beraten, in denen die Einführung und Weiterentwicklung von Technologie im Finanzsektor Änderungen mit sich bringt. Unsere Mandanten reichen von kleinen Start-ups, über DAX-Unternehmen bis hin zu globalen Konsortien. Auch diese beschäftigen sich z.B. mit digitalem zentralen Bankgeld, neuen Zahlungsinfrastrukturen, neuen Möglichkeiten des Wertpapierhandels oder der Wertpapierverwahrung, aber auch bspw. dem Einsatz von KI in der Geldwäscheprävention. Insofern ist der Bereich sehr groß und umfasst den gesamten, durch Digitalisierung getriebenen technischen Wandel im Finanzbereich.

 

Muss man selbst programmieren können, um in dem Bereich Fuß fassen zu können?

Nein, explizite Programmierkenntnisse sind für eine Mitarbeit in diesem Bereich nicht erforderlich. Dennoch sind ein gewisses Verständnis für Programmiersprachen sowie eine Affinität für Technik ein enormer Vorteil.  Man sollte verstehen, wo die Technik herkommt, was dahintersteht und was Programmieren überhaupt bedeutet.

 

Welche Rolle spielen denn Themen wie der aktuelle Bitcoin-Boom in Ihren täglichen Arbeit?

Als grobe Tendenz kann man sagen, dass die Anfragen im Krypto-Bereich ein wenig mit der Marktwahrnehmung von Bitcoin fluktuieren. Aktuell ist erkennbar, dass Bitcoin und Krypto den Sprung in den Mainstream schaffen. Daher sind die Anfragen nicht mehr so abstrakt wie noch vor ein paar Jahren. Immer mehr Projekte aus diesem Bereich kommen auf uns zu. Insofern glaube ich schon, dass die Popularität von Bitcoin ein großer Türöffner für die Technologie in diesem Bereich war.

 

Wie stark sind Sie in die Entwicklung neuer, innovativer Produkte involviert?

Sehr stark. Viele unserer Fintech-Anfragen sowohl aus größeren als auch kleineren Unternehmen befinden sich noch in einer frühen Phase, in der das Produkt noch entwickelt wird. Die Erwartungshaltung der Mandanten bei solchen Projekten ist, dass wir Teil des Entwicklungsprozesses sind. Wir müssen frühzeitig identifizieren können, ob die Idee funktioniert oder gegebenenfalls Alternativen aufzeigen.

 

In wie weit ist es möglich, bei Fintech-Projekten länderübergreifend zusammenzuarbeiten?

Das ist wie bei unseren herkömmlichen Mandaten. Es gibt lokale und globale Projekte. Wir arbeiten des Öfteren mit unterschiedlichen Jurisdiktionen zusammen, erhalten aber auch viele Anfragen von bspw. asiatischen Fintechs, die in Europa Fuß fassen möchten. Umgekehrt beraten wir auch europäische Einheiten oder helfen den Prozess aufzusetzen, wenn diese in den asiatischen Markt eintreten wollen. 

 

Zurück zur Übersicht